Diese Woche ist etwas passiert, das in der deutschen Wirtschaftsgeschichte selten vorkommt: Der Bundesverband mittelständische Wirtschaft hat dem Kanzler einen Brandbrief geschrieben. Nicht hinter verschlossenen Türen, sondern öffentlich — über das ZDF.

BVMW-Chef Christoph Ahlhaus schreibt darin von „blankem Entsetzen” über die Wirtschaftspolitik. Von einer Wirtschaftswende, die nie kam. Von einer Mittelstands-Beauftragten, zu der die Unternehmer „weder ein Mindestmaß an Vertrauen noch einen Rest an Kompetenzvermutung” haben. Das sind keine diplomatischen Floskeln. Das ist ein Bruch.

Fast zeitgleich erscheint der R+V Resilienz-Report 2026. Die Zahlen sind ernüchternd: 29 Prozent der Führungskräfte blicken mit Bangen auf die Zukunft ihres eigenen Unternehmens — ein Anstieg von 17 Prozent in nur zwei Jahren.

Was das für Sie als Geschäftsführer bedeutet

Lassen Sie mich ehrlich sein: Ob der Brandbrief etwas bewirkt, wissen wir nicht. Ob die Regierung eine echte Steuerreform hinbekommt, ob Bürokratie wirklich abgebaut wird, ob Energiepreise sinken — das alles liegt außerhalb Ihrer Kontrolle.

Und genau da liegt das Problem, das ich in meinen Gesprächen mit Geschäftsführern immer wieder sehe: Die Ohnmacht frisst die Energie. Man wartet auf Rahmenbedingungen, die nicht kommen. Man schiebt Investitionen, weil „erst mal abgewartet werden muss”. Man hält den Laden am Laufen — aber man gestaltet nicht mehr.

Die größte Gefahr für Ihr Unternehmen ist nicht die Bürokratie, nicht die Energiepreise und nicht die Regierung. Es ist der Stillstand, der entsteht, wenn Sie aufhören, Entscheidungen zu treffen.

Der Resilienz-Report zeigt aber auch etwas Positives: Unternehmen, die aktiv handeln, fühlen sich besser gewappnet. Jede dritte Führungskraft hat mittlerweile vorbeugende Maßnahmen ergriffen — vor zwei Jahren war es nur jede fünfte.

Drei Dinge, auf die Sie sich diese Woche konzentrieren können

1. Mitarbeiterbindung — das Thema Nr. 1

87 Prozent der Führungskräfte im Report nennen Mitarbeitermotivation und -bindung als wichtigstes Handlungsfeld. Das ist kein HR-Thema — das ist ein Unternehmerthema. Wenn Ihr bester Produktionsleiter geht, kostet Sie das nicht ein Gehalt. Es kostet Sie ein Jahr. Fragen Sie sich heute: Wann haben Sie das letzte Mal mit Ihren Schlüsselleuten ein echtes Gespräch geführt? Nicht über Projekte. Über sie.

2. Nachfolge — das Thema, das keiner anfässt

Eine Zahl, die diese Woche ebenfalls Wellen schlägt: Laut KfW plant jedes vierte Unternehmen die Stilllegung nach dem Ausscheiden des Inhabers. 114.000 Unternehmen pro Jahr — einfach weg. Die häufigste Ursache: zu spät angefangen. Wenn Sie über 50 sind und noch keinen Plan haben, dann ist nächste Woche ein guter Zeitpunkt, damit anzufangen. Nicht nächstes Jahr. Nächste Woche.

3. Liquidität — jetzt genau hinschauen

Die Zahlungsausfälle steigen. 11,2 Prozent der Mittelständler melden Forderungsausfälle von über einem Prozent des Umsatzes. Das klingt wenig — aber wenn Sie mit 3 bis 5 Prozent Marge arbeiten, kann ein einziger Ausfall Ihr Quartal ruinieren. Schauen Sie sich Ihre offenen Posten an. Kennen Sie die Bonität Ihrer drei größten Kunden?

Ihre Woche in 60 Sekunden

Was Sie diese Woche wissen müssen

  • BVMW-Brandbrief an Merz: 64% der Mittelständler glauben nicht mehr an die Wirtschaftswende. Die Enttäuschung ist messbar und historisch.
  • R+V Resilienz-Report 2026: Existenzsorgen im Mittelstand sind von 17% auf 29% gestiegen. Mitarbeiterbindung wird als wichtigstes Handlungsfeld genannt.
  • Nachfolgekrise verschärft sich: Jedes 4. KMU plant Stilllegung statt Übergabe. 114.000 Unternehmen pro Jahr betroffen.
  • Zahlungsausfälle steigen: Mehr Unternehmen melden relevante Forderungsausfälle. Liquiditätsmanagement wird überlebenswichtig.
  • Der Lichtblick: Wer aktiv handelt, steht besser da. Jede 3. Führungskraft hat bereits vorbeugende Maßnahmen ergriffen.

Ein persönliches Wort

Ich spreche jede Woche mit Geschäftsführern, die genau das durchleben, was die Studien beschreiben. Das Gefühl, allein Entscheidungen treffen zu müssen, während sich die Rahmenbedingungen verschlechtern. Der Steuerberater sieht die Zahlen, der Anwalt die Risiken — aber niemand fragt: „Wie geht es Ihnen eigentlich damit?”

Genau dafür gibt es uns. Nicht als weiterer Berater mit PowerPoint. Sondern als jemand, der zuhört, mitdenkt und dabei hilft, die Dinge zu sortieren.

Reden hilft. Wirklich.

30 Minuten, vertraulich, ohne Verkaufspitch. Einfach reden über das, was Sie gerade bewegt.


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Quellen dieser Ausgabe
BVMW-Brandbrief an Bundeskanzler Friedrich Merz, 6. Februar 2026 (via ZDFheute / t-online)
R+V Resilienz-Report 2026 „Fokus Mittelstand”, veröffentlicht 4. Februar 2026
Creditreform Wirtschaftslage und Finanzierung im Mittelstand, Frühjahr 2025
KfW-Nachfolge-Monitoring Mittelstand / DAS INVESTMENT, 3. Februar 2026
DZ Bank / BVR Studie „Mittelstand im Mittelpunkt”, Herbst 2025