Situationen Verändern & Sanieren

Krise erkennen

Wenn die ersten Anzeichen da sind und die Frage ist, ob es eine Schwankung ist — oder der Anfang von etwas Größerem. Die teuersten Krisen sind die, die zu spät als Krisen gesehen wurden.

Die Lage

Eine Krise kündigt sich an. Wer die Anzeichen liest, hat die Wahl der Werkzeuge. Wer wartet, hat sie nicht mehr.

Krisen entstehen selten plötzlich. Vor der akuten Phase liegt fast immer eine Vorlaufzeit von sechs bis 18 Monaten, in der die Anzeichen sichtbar werden — meist zuerst im Cashflow, dann in den Kennzahlen, dann im Verhalten von Bank, Lieferanten und Kunden. Diese Vorlaufphase ist die wichtigste Phase überhaupt: Sie ist die Zeit, in der außergerichtliche Sanierung noch möglich ist, in der die Bank noch verhandlungsbereit ist, in der der Geschäftsführer noch alle Optionen hat.

Die typischen Frühindikatoren: Sinkende Auftragseingänge bei stabilen Kosten — Marge erodiert. Steigende Außenstände, längere Zahlungsziele bei Kunden, kürzere bei Lieferanten — Working Capital bindet Cash. Bank fragt häufiger nach BWA, will plötzlich quartalsweise Berichte statt jährlich — sie sieht etwas. Mitarbeiter, die seit Jahren da sind, fragen nach Sicherheit oder kündigen. Steuerberater spricht in Vorgesprächen plötzlich anders — man hört es zwischen den Zeilen. Einzeln sind das alles unauffällige Beobachtungen. Zusammen ergeben sie ein Muster.

Das psychologische Hindernis ist meist größer als das fachliche. Wer 20 Jahre erfolgreich geführt hat, sieht sich nicht gerne als Sanierungsfall. Die ersten Reaktionen sind Verdrängung („das ist eine Phase”), Beschönigung („wenn der Q4-Auftrag kommt, ist das vorbei”), Hoffnung („wir haben schon Schlimmeres durchgestanden”). Diese Reaktionen sind menschlich. Sie sind aber auch der Grund, warum aus erkennbaren Schwankungen unkontrollierbare Krisen werden — weil zwischen erstem Anzeichen und ehrlicher Diagnose oft sechs bis zwölf Monate liegen, die anders genutzt werden könnten.

Die echte Frage

In der Frühphase ist die wichtigste Frage nicht „Was tun wir?” — sondern „Sind wir ehrlich genug, das zu sehen?”

Wer die Phase der frühen Anzeichen ernsthaft angeht, muss Fragen zulassen, die sich in der gewohnten Routine schwer stellen lassen:

  • Wie viele Wochen reicht meine Liquidität noch — wirklich, nicht nach Plan?
  • Welche Annahmen in meiner Planung sind Hoffnung, welche sind belastbar?
  • Was würde meine Bank sehen, wenn sie heute ein Rating mit meinen Zahlen rechnet?
  • Welcher Großkunde ist gefährdet — und was passiert mit der Marge, wenn er wegbricht?
  • Wer in meinem Team weiß mehr als ich darüber, was wirklich los ist?
  • Welche Themen schiebe ich seit drei Monaten — und warum?
  • Wer sagt mir die Wahrheit, wenn alle anderen mir Loyalität schulden?

In der Frühphase entscheidet nicht das schnellste Handeln. Es entscheidet, ob die ehrliche Diagnose früh genug stattfindet, um die Optionen offen zu halten.

So gehen wir vor

Erst ehrlich diagnostizieren. Dann Optionen ordnen. Dann handeln.

  1. Wir hören zu — und stellen die Fragen, die niemand sonst stellt.

    Im ersten Gespräch geht es nicht um Maßnahmen. Es geht um die ehrliche Lage: Was sehen Sie, was Sie unruhig macht? Was haben Ihre Berater gesagt — und was haben sie nicht gesagt? Welche Annahmen tragen Ihre Planung? Wir bringen den Außenblick mit, der im engen Beraterkreis oft fehlt.

  2. Wir lösen es mit Ihnen.

    Eine Frühphasen-Diagnose verbindet Liquiditätsanalyse, Bilanzlesart, Marktblick und Sanierungserfahrung. Wir bringen die Antworten zusammen — und sortieren mit Ihnen, was wirklich kritisch ist und was Ablenkung. Eine ehrliche Diagnose früh erspart oft die teuren Werkzeuge spät.

  3. Wir bleiben dabei, solange die Lage ungeklärt ist.

    Frühphasen-Begleitung heißt nicht ein einmaliger Check. Wir bleiben in den Wochen ansprechbar, in denen sich entscheidet, wohin sich die Lage entwickelt. Auch wenn das Bankgespräch kommt. Auch wenn der erste Großkunde wackelt. Auch wenn die Frage aufkommt, ob StaRUG oder Restrukturierung der richtige Weg sind.

Sie haben in der Frühphase noch alle Optionen. Sie verlieren sie, je länger Sie warten.

Häufige Fragen

Was Geschäftsführer in der Frühphase oft zu spät klären.

Was sind die typischen Frühindikatoren einer Unternehmenskrise?

Drei Bereiche zeigen sich zuerst. Cashflow: Liquiditätsplanung wird kürzer (vorher Quartal, jetzt Monat oder Woche), Außenstände steigen, Skonto wird nicht mehr gezogen. Bilanzkennzahlen: Eigenkapitalquote sinkt unter 15 Prozent, Schuldentilgungsdauer steigt über zehn Jahre, Working Capital wächst schneller als der Umsatz. Verhalten Dritter: Bank fordert quartalsweise BWA, Warenkreditversicherer kürzt Limits, Steuerberater wird zurückhaltender, Mitarbeiter mit guten Marktoptionen kündigen. Einzelne Indikatoren sind unauffällig — drei oder mehr zusammen sind ein klares Signal.

Wann ist eine Krise „akut” — und wann noch „latent”?

Die Sanierungsforschung kennt typischerweise vier Phasen. Strategiekrise: Erträge sinken über mehrere Jahre, das Geschäftsmodell verliert Tragfähigkeit. Erfolgskrise: Verluste werden bilanziell sichtbar, Eigenkapitalbasis sinkt. Liquiditätskrise: Zahlungsmittel werden knapp, akute Zahlungsschwierigkeiten drohen. Insolvenzreife: Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung im juristischen Sinn. Außergerichtliche Sanierung ist in den ersten beiden Phasen am erfolgreichsten. Ab Liquiditätskrise wird das Werkzeugset enger und teurer. Ab Insolvenzreife greifen gesetzliche Pflichten — und Verzögerungen können persönlich haftbar machen.

Wer sollte die Frühdiagnose machen — Steuerberater, Bank, externer Berater?

Jeder dieser Beteiligten hat blinde Flecken. Steuerberater sehen die historischen Zahlen, oft aber nicht die operativen Zusammenhänge oder die Marktdynamik. Banken sehen die Außensicht, dürfen aber bei akuten Risiken nicht mehr beratend agieren — sie müssen entscheiden. Hausanwälte sehen Verträge und Haftung, aber selten die ganze betriebswirtschaftliche Lage. Eine seriöse Frühdiagnose verbindet diese Perspektiven mit operativem und Sanierungs-Praxisblick. Wichtig: Der Diagnoseträger sollte unabhängig vom späteren Sanierungsweg sein — sonst entsteht ein Anreiz zur Übertherapie.

Was kostet eine Frühphasen-Diagnose?

Eine fundierte Frühdiagnose im Mittelstand bewegt sich zwischen 8.000 und 30.000 Euro — abhängig von Unternehmensgröße, Komplexität und Tiefe der Analyse. Eine schlanke „Sanity-Check”-Diagnose mit Cashflow-Modell, Bilanz-Analyse und kurzer Marktschau liegt im unteren Bereich. Eine vollständige Sanierungsfähigkeits-Prüfung mit Stakeholder-Gesprächen, Detail-Liquiditätsplanung und Optionsanalyse im oberen Bereich. Was diese Kosten ins Verhältnis setzt: Eine versäumte Frühdiagnose führt typischerweise zu sechs- bis siebenstelligen Folgekosten in der späteren akuten Phase.

Muss ich die Bank in der Frühphase informieren?

Eine der heikelsten Fragen. Allgemein gilt: Banken honorieren proaktive Kommunikation. Wer früh selbst kommt, mit Diagnose und einem Plan, wird ernster genommen als wer wartet, bis die Bank fragt. Voraussetzung ist allerdings, dass tatsächlich ein Plan vorliegt — wer in der Frühphase ohne Vorbereitung das Gespräch sucht, signalisiert Unsicherheit, ohne Lösungen zu zeigen. Faustregel: Wenn die Lage absehbar in den nächsten sechs Monaten Maßnahmen verlangt, die die Bank betreffen (Linienerhöhung, Tilgungsaussetzung, Restrukturierung), dann sollte das Gespräch vorbereitet und proaktiv geführt werden — nicht reaktiv.

Welche persönlichen Haftungsrisiken kommen in der Frühphase auf den Geschäftsführer zu?

In der Strategie- und Erfolgskrise sind die persönlichen Haftungsrisiken meist noch begrenzt. Sie steigen sprunghaft, sobald Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung droht: Der Geschäftsführer muss innerhalb von drei Wochen einen Insolvenzantrag stellen (§15a InsO), darf nach Eintritt der Zahlungsunfähigkeit keine Zahlungen mehr leisten, die nicht zur Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebs zwingend nötig sind (§15b InsO). Verstöße führen zu persönlicher Haftung mit dem Privatvermögen — und in schweren Fällen zu strafrechtlichen Konsequenzen. Wer in der Frühphase die Diagnose verschiebt, riskiert genau diese Phase ohne Vorbereitung zu erreichen.

Die Frühphase ist die einzige,
in der Sie noch alle Optionen haben.

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